Was wir aus der Pandemie lernen können

Seit sieben Wochen befinden wir uns in einem noch nie dagewesenen sozialen Experiment von globalem Ausmaß. Unser alltägliches Leben ist durch die Ausgangsbeschränkungen ordentlich durcheinandergewirbelt worden. Fast von heute auf morgen mussten wir uns alle umstellen – unsere täglichen Routinen waren, so wie gewohnt, auf einmal nicht mehr möglich. Nicht nur bei uns, sondern in vielen Ländern auf der ganzen Welt. Wenn wir die Erfahrungen von Menschen aus allen Ecken der Welt lesen, kommt ein bisher unbekanntes Gefühl der Verbundenheit auf – über die Grenzen der Länder und Kontinente hinweg. Da wird ganz augenscheinlich: Unser Schicksal kann nicht getrennt von jenem „der anderen“ betrachtet werden. Wir sind alle miteinander verbunden.

Was hat diese kollektive Erfahrung mit uns gemacht? Sehr vielen Menschen ging und geht es sehr schlecht, sei es aufgrund von Angst, von Stress und Konflikten in der ungewohnten Situation zuhause, aufgrund der Trennung von ihren Bezugspersonen oder durch Existenzängste aufgrund von Arbeitslosigkeit. Meine Gedanken sind bei jenen, die aufgrund ihres hohen Alters besonders isoliert sind, und bei jenen, die in beengten Wohnverhältnissen ohne Zugang zur Natur leben und womöglich familiäre Konflikte daheim haben. Ich hoffe, dass ihnen jemand zur Seite steht, und dass vor allem die Kinder und Jugendlichen diese Zeit unbeschadet überstehen.

Auf der anderen Seite sehe ich die unzähligen Initiativen, die binnen kürzester Zeit überall in unserem Land entstanden sind: Nachbarn gehen füreinander einkaufen, Jugendliche bieten älteren Menschen ihre Hilfe an, viele Menschen melden sich freiwillig bei den Hilfsorganisationen. Durch das Internet fühlen wir uns verbundener denn je; so viele Menschen, vom Volksschulkind bis zu Oma und Opa, lernen nun, das Internet positiv für sich zu nutzen, um mit Freund*innen, Familie und mit Lehrer*innen und Kolleg*innen in Kontakt zu bleiben und gemeinsam zu lernen, zu arbeiten und auch einfach mal die Zeit zu verbummeln. Passiert es euch auch, dass ihr zu manchen Menschen jetzt sogar mehr Kontakt habt?

Musiker*innen geben in Live-Streams kostenlose Konzerte aus ihrem Wohnzimmer, Künstler*innen und Laien aller Sparten teilen ihr Talent und ihre Begeisterung in frei zugänglichen Tutorials über das Internet, gemeinsam werden konsumkritische Filmabende online veranstaltet und diskutiert, und ursprünglich geplante Veranstaltungen der Zivilgesellschaft werden jetzt kurzerhand online abgehalten und sind vielleicht gerade dadurch einem größeren Kreis an Menschen zugänglich, da räumliche Entfernung keine Rolle mehr spielt. Das gesellschaftliche Leben ist keinesfalls heruntergefahren – es findet nur anders statt und wir alle lernen gerade unglaublich viel dabei.

Was wollen wir uns aus dieser Zeit mitnehmen, in das Leben „nach Corona“? Wir sehen, dass wir gemeinsam große Veränderungen schaffen können, wenn nur der Wille da ist. Wir haben unser Leben im Vergleich zu vorher in vielen Bereichen eingeschränkt: Wir sind weniger mobil, verreisen nicht, konsumieren womöglich weniger … und doch haben wir in anderen Lebensbereichen so viel dazugewonnen: Mehr Zeit für uns selbst und unsere Interessen, mehr Zeit, Neues zu lernen und uns für die Gemeinschaft zu engagieren. Zeit, einmal nachzudenken über das, was wirklich wichtig ist im Leben. Familien haben wieder gemeinsame Mahlzeiten zu Hause, und es ist mehr Raum dafür da, präsent zu sein im Leben der anderen. Wir sehen, wie die Natur sich binnen kürzester Zeit erholt, wie die Verschmutzungsintensität aufgrund von Corona in ganzen Landstrichen zurückgeht. Das gibt Hoffnung im Angesicht des Klimawandels.

Natürlich wissen wir jetzt noch nicht, welche weitreichenden Auswirkungen diese Reduktion auf die Wirtschaft und damit unser Gesellschaftssystem haben wird. Wir können es aber als große Chance sehen, den so dringend benötigten großen Wandel voranzutreiben – den Wandel hin zu einem lebensbejahenden und global gerechteren Gesellschaftssystem, das die Grenzen unseres Planeten respektiert. Jetzt gerade haben wir die historisch einmalige Möglichkeit, als Gemeinschaft neue Wege auszuprobieren. Und auch als Einzelner können wir jeden Tag neue Schritte machen: Unser Leben bewusster zu leben, und unsere kleinen, täglichen Entscheidungen – z.B. im Konsum – mit Bedacht zu treffen.

Durch die vielen, teilweise neu entstandenen Initiativen gibt es so viele Möglichkeiten, diesen „anderen Weg“ auszuprobieren. Ganz nach dem Motto „Think global, act local!“

Unterstützt eure kleinen, lokalen Geschäfte – seien es Bücher, Kleidung, Elektronikgeräte, Lebensmittel oder so vieles mehr! Entweder bei euch im Ort, oder auch, indem ihr bei den österreichischen Anbietern bestellt und es euch liefern lasst. Eine umfassende Liste zu vielen verschiedenen Bereichen findet ihr hier: https://www.nunukaller.com/

Gemeinsam werden wir es schaffen!

(Dieser Text von mir ist ursprünglich auf der Website der Jugendinfo NÖ erschienen)